Da sitzt er nun. Ein Ende 50-jähriger Mann mit schütterem weißem Haar, das aus seiner ebenso weißen Kipa hervorquellen und sich an den Seiten seines Gesichts zu gepflegt gedrehten Locken die Schläfen herunter kringeln. Wie er da so sitzt, sieht er eigentlich gar nicht aggressiv aus, ein bisschen sogar wie mein Großvater. Er sitzt einfach [...]
Wahid, Ithnain, Talate
Zwei Stunden befreites Palaestina
Wahid… Ithnain … Talate (Ein, zwei drei). Es stöhnt, es presst, es zerrt, es hebelt und schreit und es passiert … nichts. Wahid… Ithnain… Talate und schließlich hebt er sich doch langsam vom Boden ab, Zentimeter um Zentimeter wird der Spalt größter bis er schließlich nach vorne überkippt und hunderte Menschen in einen wilden Freudentaumel [...]
Die Geschichte vom Jungen und seinem Hund
Es ist 16.30 Uhr auf einer kleinen Straßenkreuzung, 50 Meter entfernt von der illegalen israelischen Siedlung Tel Rumeida. Eine Gruppe israelischer Siedlertouristen gaffen aus den Fenstern eines Reisebusses, während fünf Vertreter der internationalen Beobachtermission TIPH wild auf ihren Notizblöcken rumkritzeln. Rund 20 Palästinenser haben sich im Hintergrund aufgereiht, als drei Menschrechtsaktivisten sich in eine Horde israelischer Soldaten drängen. Zwei palästinensische Jungen kauern gefesselt auf dem Bürgersteig, während ein dritter auf die Rückbank eines Polizeiwagens gedrückt wird. Zur gleichen versteckt sich ein kleiner Welpe, Hühnchen knabbernd hinter einem israelischen Checkpoint, als die Situation eskaliert…
Als die Intifada im Karussell verschwand
Vom Ende der palästinensischen Demokratie
Die Wahl der Hamas war ein Votum dafür einen Schlusspunkt zu setzen. Es war eine Wahl für die Partei, die gegen all das stand was der alterschwache Fatah-Tross verkörperte. Gegen Korruption und Vetternwirtschaft und für die Verbesserung der Lebensbedingungen. Für Schulen und Krankenhäuser und für die Partei, die vor allem in Gaza all das was noch funktionierte aufrechterhielt. Die Wahl von 2006 war aber auch der Ausdruck dessen einen neuen Anfang zu wagen. Es war auch die Wahl für eine Partei, die noch an der Illusion festhielt, dass Palästina mehr sein kann als ein paar verstreute Enklaven. Und es war eine Wahl dafür, dass man unter Besatzung kein Pazifist zu sein hat.
Vom Checkpoint zur Mauer ins Ghetto. Teil 2: Die rote Linie um Qalqilia
Qalqilia ist die Prophezeiung dessen, was in einer ungewissen Zukunft einmal Republik Palästina genannt werden wird. Ein Ort, in der dein Wochenendpicknick, deine Abendgestaltung, dein Alltag, dein Leben abhängt von der Willkür 20-jähriger Wehrdienstleistender. Eine Ansammlung von ummauerten Ghettos, in denen die unzähligen Kameras entlang der Mauern, keine Menschen mehr sondern nur noch potentielle Sicherheitsrisikos auf die israelischen Überwachungsmonitore projizieren und in denen es selbst die Nachrichten über die Toten nicht mehr schaffen die Welt außerhalb der Mauern zu erreichen.
“Wie die unerreichbare Liebe deines Lebens”. Auf der Suche nach Palästina
Es ist Samstagnachmittag. Zwischen Plakaten von Che und Malcolm X sitze ich bei Argile und Wein mit ein paar Freunden in einem kleinen palästinensischen Dorf, nahe Ramallah. Nach einiger Zeit belangloser Konversation, stellt mir Mohammad fast beiläufig eine Frage auf die mir einfach keine Antwort einfallen will – Was bedeutet für dich Palästina?
Vor knapp einem [...]